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Die Sammlung
Mechanische Musik

Von der Stiftwalze über die Lochscheibe bis zur Schallplatte aus Schellack oder  Vinyl – die jahrhundertealte Tradition der Musikautomaten brachte höchst interessante Tonträger hervor. Durch den Einwurf der passenden Münze ließen sich die Tonträger in Bewegung versetzen und verbreiteten damit, zumeist an öffentlichen Orten wie Tanzlokalen und Kaffeehäusern, die aktuelle Musik der damaligen Zeit.

 

 

 Gloriosa, J. C. Eckardt, Stuttgart, Deutschland, nach 1894

Zur Weihnachtszeit vor mehr als einem Jahrhundert schmückte dieser Automat private Wohnzimmer und öffentliche Orte – das „Gloriosa“. Von Johannes Carl Eckardt um 1890 erfunden, verband das mechanische, münzbetriebene Dreh- und Musikwerk zwei von Weihnachten nicht wegzudenkende Traditionen: den Christbaum und die Weihnachtsmusik. Nach Einwurf von fünf Pfennig drehte sich der Weihnachtsbaum-Untersatz und Lieder, wie „Stille Nacht“, erklangen. Das Federwerk des integrierten Lochplattenspielers wurde mit einer Kurbel von Hand aufgezogen, dabei dienten auswechselbare Lochscheiben aus Blech als Toninformationsträger. Das Musikwerk konnte abgestellt und das „Gloriosa“ nur als drehbarer Ständer für den Tannenbaum verwendet werden.
Nun wäre es bedauerlich, das elegante Gehäuse im Jugendstil aus Nussbaum nur zur Weihnachtszeit zu benutzen. So war für das „Gloriosa“ auch ein abnehmbarer Ornamentaufsatz erhältlich, um Blumenvasen, Obstschalen oder sogar Goldfischgläser darauf zu platzieren, wie eine Anzeige von 1898 verrät.
Von diesem Erfolgsmodell wurden bis 1911 rund 100.000 Stück verkauft.

   

Aurora, Popper & Co., Leipzig, Deutschland, ca. 1910

Das Walzen-Orchestrion besitzt als Antrieb ein 80 kg schweres Gewicht mit Kurbelaufzug und eine Stiftwalze aus Hartholz von 60 cm Breite und 33 cm Durchmesser. Sie ist mit sechs Musikstücken bestiftet, die man mit einem Drehknopf in Abspielposition bringen kann.

   

 

Violano Virtuoso, Mills Novelty Company, Chicago, USA, 1913

Das auf sehr hohem technischen Niveau um 1908 entwickelte »Violano Virtuos « besitzt eine Violine und ein Klavier als Tonquellen. Die originalgetreue Wiedergabe und Klangfülle brachten diesem Automat weltweite Anerkennung und einige internationale Auszeichnungen ein.

   

 

Welte Mignon, M. Welte & Söhne GmbH, Freiburg, Deutschland, ca. 1915

Das Reproduktionsklavier bildete den End- und zugleich den Hochpunkt in der Entwicklung der automatischen Klaviere – man könnte behaupten, der mechanischen Musikinstrumente überhaupt.

Die zuvor gefertigten Klaviere besaßen Tonträger, die allein die Höhe und Länge der verschiedenen Töne speichern konnten, wobei die Wiedergabe mit maschineller Gleichförmigkeit geschah. Die individuelle, leidenschaftliche und mitreißende Spielweise, die das Klavierspiel von Hand offenbarte, blieb bei diesem Verfahren auf der Strecke.

Diese fehlende musikalische Authentizität erkannte Karl Bokisch, der Mitinhaber der Freiburger Firma M. Welte und Söhne GmbH, als Problematik und löste sie im Mai 1904. Er ließ eine Art Nuancierungsapparat patentieren und noch im selben Jahr brachte Welte das „Mignon“ heraus.

Die Fachwelt zeigte sich beeindruckt von der bis dato unerreichten Qualität der Musikwiedergabe des Welte-Mignon, welches nicht nur zum Prototyp sondern auch zum erfolgreichsten Modell dieser neuen Sparte innerhalb der mechanis chen Musikautomaten avancierte. Die mit einem Elektromotor angetriebene Präzisionspneumatik steuerte  die Betonungseinrichtung und damit einen Saitenanschlag, der völlig selbstständig war.