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Die Sammlung
Nadelspiele, Bomber und Flipper

Der Weg bis zur Entwicklung des bekannten Flippers war lang. Zu berichten ist von den Bagatellespielen aus dem 18. Jh., über die im 19. Jh. aufkommenden Nadelspiele und die Bomber von Beginn des 20. Jahrhunderts – so gibt es den Flipper erst seit 1947. Als verbindendes Spielelement gilt dabei die Kugel, die sich ihren Weg durch die Jahrhunderte des Spielens bahnte.

 

 

Arc En Ciel, Keeney & Sons, Chicago, USA 1933

Das „Arc En Ciel“ (Regenbogen) ist ein klassisches, rein mechanisches Nadelspiel und damit ein Vorläufer des Flippers. Noch vor der Erfindung der Flipperfinger im Jahr 1947 bestand die einzige Möglichkeit, an diesem Gerät den Spielverlauf zu beeinflussen darin, die Abschussintensität der Kugel zu variieren. Nach Abschuss der Kugel war es demnach nicht mehr möglich, in den Verlauf des Spiels einzugreifen. Der Spieler musste versuchen, seine Kugel durch die Nägel hindurch in die Wertungslöcher zu manövrieren. Das Addieren der Punkte hatte dabei im Kopf zu passieren.
Hergestellt 1933 in Chicago, wurde das Spiel durch Scott, Adickes & Co. –  in einer für damalige Verhältnisse unglaublichen Stückzahl von 15000 Exemplaren –  nach Europa importiert. In der Vorkriegszeit verdiente sich diese Londoner Firma unter anderem damit den Titel „Pionier des Nadelspielautomaten“. Dahinter verbirgt sich kein geringerer als Alfred W. Adickes, langjähriger Geschäftsführer der NOVA-Apparate GmbH in Hamburg und noch heute ist er eine der wohl markantesten Persönlichkeiten der deutschen und europäischen Automatenwirtschaftsgeschichte.
Während die amerikanische Version des Nadelspiels den Namen „Rainbo“ trug, wurde das Gerät in Frankreich als „Arc En Ciel“ und in Deutschland als „Tura Ball“ auf den Markt gebracht.

   

 

Tempo Tempo, Theodor Bergmann & Co., Hamburg, Deutschland, 1952

Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Flipperarme, mit denen der Spieler aktiv in das Spielgeschehen eingreifen konnte, in den USA erfunden. Der erste Flipper mit Flipperarmen aus deutscher Produktion war der Tempo Tempo. Entgegen der amerikanischen Vorbilder schlugen die Flipperarme nicht von innen nach außen, sondern von außen nach innen.

Der Einsatz für ein Spiel betrug 10 Pfennig, wobei es sich um einen Auszahlflipper handelte. Somit war dieser Flipper ein Geldspieler und kein Unterhalter! Erkenntlich wurde dies an der PTB-Zulassung vorne am Gehäuse des Geräts, sowie an der Münzauszahlschale. Bei einem Punktestand von 200.000 Punkten zahlte das Gerät 1 DM aus. Sowohl die Flipperarme, als auch die Federtürme, die bei Kontakt Punkte werteten und mit Kraft die Kugel zurückschlugen, verliehen dem Gerät ein bisher an deutschen Automaten unbekanntes Tempo. Es ging darum, die Kugel möglichst lange auf dem Spielfeld zu halten und dabei Punkte zu sammeln, während die Namen der Pferde mit jedem Anschlag abwechselnd auf dem Backglass leuchteten. 

   

 

Tura-Glocken-Bomber, Tura Automatenfabrik GmbH, Leipzig, Deutschland, 1938 

Im Jahr 1937 kam es in den USA zu einer der bedeutendsten Weiterentwicklungen des Pinballspiels. Die Firma Bally brachte einen sogenannten „Bumper“ auf den Markt. Dieser war mit Federtürmen (englisch: bumper) ausgestattet, die bei Berührung mit der zuvor ins Spielfeld geschossenen Kugel einen elektrischen Kontakt geschlossen und damit für einen Punktgewinn gesorgt haben.

Noch im gleichen Jahr kamen ähnliche Modelle aus deutscher Produktion auf den Markt, die jedoch hierzulande als „Bomber“ bezeichnet wurden. Beim „Glockenbomber“ galt es, die Kugel allein mit der Intensität des Abschusses möglichst an einen der drei goldenen Federtürme zu manövrieren, die nicht nur mit einer Punktzahl von 10000 auf der Anzeige belohnten, sondern auch mit einem Glockensignal, das gewiss für Aufmerksamkeit sorgte. Aufgrund der vehementen gesetzlichen Einschränkungen beim Automatenspiel um Geld- oder Wertmarkengewinn im Deutschen Reich entwickelten sich die Bomber, als reine Unterhaltungsgeräte ohne Gewinnauszahlung, schnell zu den beliebtesten Automaten der späten 1930er-Jahre in Deutschland.


   

 

Euromat, Aisch & Melchers KG, Bochum, Deutschland, 1963 

Der Unterhaltungsautomat "Euromat" ist ein Flipper der besonderen Art. Anders als seine Artgenossen besitzt er nicht das typische horizontal langgezogene Gehäuse auf vier Beinen, sondern wurde speziell für beschränkte Platzverhältnisse entwickelt. Die Firma Aisch & Melchers aus Bochum brachte ihn 1963 als Innovation auf den Markt und schuf mit dem "Wandflipper" eine platzsparende Variante des sehr beliebten Kugelspiels. Der Spielende war angehalten die Kugel, mit Hilfe der auf beiden Seiten des Gehäuses angebrachten Flipperknöpfe, immer wieder an die beleuchteten Federtürme stoßen zu lassen. So konnte unter Licht- und Spiegeleffekten sowie Glockensignalen eine maximale Punktzahl von 10 Millionen erreicht werden, was ein Freispiel zur Folge hatte.