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Die Sammlung
 
Musikboxen

Eine Münze in den Schlitz zu werfen, sich einen Song auszusuchen, ihn anhand der speziellen Auswahlmechanik anzuwählen, zusehen wie sich Schallplatte und Tonarm aufeinander zubewegen und zu hören, dass der gewünschte Titel erklingt, das fasziniert die Menschen heute genauso wie vor 80 Jahren. Die über die Jahrzehnte produzierten Musikboxen zeigen nicht nur die Entwicklung der Technik, sondern auch des Designs sowie den Musikgeschmack der jeweiligen Zeit.

 

 

AMI B, Automatic Music Instrument Company, Grand Rapids, USA, 1948

Diese im Stil des Art Déco designte Musikbox zieht mit Hilfe großzügig gestalteter Plastikelemente und farbigen Lichteffekten die Aufmerksamkeit auf sich. Im Zentrum der Box befindet sich die Auswahltastatur mit entsprechenden Titelstreifen. Flankiert wird sie von zwei mit Goldfäden durchzogenen Glasscheiben, die seitlich einen Blick auf die Wechselmechanik freigeben.
Die AMI B bietet Platz für 20 Schallplatten (78 Umdrehungen pro Minute) und damit 40 Wahlmöglichkeiten, da die Tonträger von beiden Seiten abgespielt werden können. Im Gegensatz zum Vorgängermodell – der AMI A – befindet sich der Lautsprecher im Sockel, was ein kompaktes Erscheinungsbild und einen intensiven  Musikgenuss zur Folge hatte.
Heute ist diese Box im Deutschen Automatenmuseum im ostwestfälischen Espelkamp ausgestellt. Mit ihrem Ankauf legte Michael Gauselmann im Jahr 1985 den Grundstein zur Sammlung Gauselmann.

   

 

Symphonie M 80, Th. Bergmann & Co., Hamburg, 1956

Eine der historisch bedeutendsten deutschen Automatenfirmen wurde 1906 in Hamburg-Altona von Theodor Bergmann gegründet. Im Jahr 1957 ist eine der erfolgreichsten Musikbox aus europäischer Produktion – die „Symphonie 80“, die für die Hamburger Firma im ostwestfälischen Espelkamp, bei der Firma Harting, produziert wurde.

Sie überzeugte mit ihren 80 Wahlmöglichkeiten, einer zuverlässigen Technik und ihrem hervorragenden Klang. Hierfür waren elektrodynamische Lautsprecher mit 3-Wege-System und ein 30-Watt-Röhrenverstärker verantwortlich. Die leuchtend-goldenen Tongitter an der unteren Frontseite, wurden optisch  durch das nußbaumfarbene Gehäuse hervorgehoben. Durch Münzeinwurf konnte man den gewünschten Song der beleuchteten Titelstreifen entnehmen und sein „Lieblingsstück“ wählen. Paul Gauselmann, der von 1956 bis 1964 als Angestellter für das Unternehmen Harting tätig war, entwickelte die Symphonie M 80 weiter. Nur ein halbes Jahr nach seiner Anstellung, kaufte er sich 17 dieser Modelle und legte mit ihrer Aufstellung den Grundstein der heutigen Gauselmann Gruppe.

 

   

 

Rock Ola 1468, Rock-Ola Manufacturing Corporation, Chicago, USA, 1959 

Bei dieser Box ist der Einfluss des Automobildesigns unverkennbar: Panoramascheibe, Chromleisten, Heckflossen und ein V-Emblem. Eine vorbildliche Lösung ist die platzsparende Unterbringung der 120 Plattentitel auf einer rotierenden Walze.

   

 

 

Wurlitzer Lyric, Deutsche Wurlitzer GmbH, Hüllhorst, Deutschland, 1974

Im Jahr 1960 wurde im ostwestfälischen Hüllhorst die Deutsche Wurlitzer GmbH gegründet. Die dortige Produktion von Musikautomaten begann mit einem Modell der erfolgreichen „Lyric“-Baureihe, die fast zwei Jahrzehnte den europäischen Markt beherrschte. Vierzehn Jahre später, als das amerikanische Mutterunternehmen Rudolph Wurlitzer Company sein Hauptwerk in North Tonawanda schloss, wurde ein neues Modell der „Wurlitzer Lyric“ gebaut.
Es unterschied sich sowohl optisch, als auch technisch von seinem Vorgänger aus dem Jahr 1961, der mit mechanischem Wahlrad für Singles und altem Röhrenverstärker ausgestattet war. Die 1974er-„Lyric“ bot hingegen einen automatischen Wahlmechanismus per Knopfdruck und besaß eine Verstärkerleistung von 50 Watt in der Mono- und 70 Watt in der Stereoausführung. Über Jahre hinweg hatte sie den Ruf einer preiswerten – sie kostete damals 2.988 DM – und zuverlässigen Musikbox.
Noch bis 2013 wurden in Hüllhorst von der Deutschen Wurlitzer GmbH Musikautomaten hergestellt, bis sich das Unternehmen ausschließlich auf die Produktion von Verkaufsautomaten fokussierte.